Gymnasium Markneukirchen: Warum der Jungfernflug der Wetterballon-AG fast zu einer Enttäuschung wurde

Der Wetterballon macht sich auf die Reise. Foto: Johannes Schmidt

Im Geyerschen Wald bei Jahnsbach im Erzgebirge sind der Schüler Oscar Jacob und der Lehrer Dustin Todt vom Gymnasium Markneukirchen am 5. Mai auf der verzweifelten Suche nach ihrem Wetterballon. Was war passiert? Gegen 8.40 Uhr ließ die in diesem Schuljahr gegründete Wetterballon-AG den mit Helium gefüllten Ballon vom Sportplatz am Schwimmbad aufsteigen, welcher sich unter Applaus anwesender Schulklassen im raschen Tempo über der Musikstadt erhob. Während Jacob und Todt in die Richtung des vermutlichen Landeorts fuhren, verfolgten die Schüler Raphael Lange und Vincent Krauss derweil den Flug von der Schule aus.

Wetterballon steigt in die Stratosphäre auf und sammelt wertvolle Daten
Bei frühlingshaftem Wetter suchte sich der Wetterballon seinen Weg Richtung Erzgebirge. Während des Jungfernflugs sammelte die am Ballon befestigte Sonde unter anderem Daten zur Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und zum Höhendruck. An der Sonde waren außerdem Chemie-Experimente befestigt. Damit sollen später Erkenntnisse über den Zustand der Erdatmosphäre gewonnen werden. In der Stratosphäre, auf einer Höhe von 36.675 Metern platzte der Ballon und stürzte anschließend am Bremsschirm zurück zur Erde. Kurz vor dem Ende seines fast dreistündigen Flugs erhielt die Arbeitsgemeinschaft nach anfänglichem Kontaktabbruch wieder GPS-Koordinaten. Das sich im Landeanflug befindliche Flugobjekt flog zu diesem Zeitpunkt über den Stausee Geyer in Richtung Jahnsbach. Anhand den ausgesendeten Koordinaten nahm die AG an, dass er auf einer Wiese niedergegangen war. Doch es kam anders.

Die Bergung des Flugobjektes war nur mit Hilfe möglich
In der Nähe des vermeintlichen Landeplatzes konnten Dustin Todt und Oscar Jacob parken. Doch vom Ballon fehlte bei der anschließenden Suche jede Spur. Kurz darauf sendete er neue Koordinaten aus. Er sei nebenan im Wald gelandet. Bei der Suche fanden die beiden ihn schließlich in der Krone eines 20 Meter hohen Baumes. Sie selbst konnten ihn nicht bergen und fuhren enttäuscht nach Markneukirchen zurück. Um die Bergung kümmerte sich ein in Jahnsbach ansässiger Baumkletterer, der am nächsten Tag dem Jungfernflug ein Happy End bescherte. Nun will die Wetterballon-AG ab dieser Woche damit beginnen, die Daten zu sichten und auszuwerten.

Gymnasium Markneukirchen gelingt ein Meilenstein
Dass eine Schule aus dem Vogtland einen Wetterballon in die Stratosphäre schickt, sei laut dem Geografie- und GRW-Lehrer Dustin Todt bislang erstmalig. Den Anstoß zu diesem Schulprojekt erhielt der 28-Jährige über das sächsische Schulportal. Er informierte sich, überzeugte die Schulleitung und mit Beginn des aktuellen Schuljahres setzte er die Arbeitsgemeinschaft mit fünf Schülern um. Mit Anfang 2026 hatten sie sich mit der Planung des Fluges und dem Zusammenbau des Ballons beschäftigt. Dabei konnten sie auf das Komplettset der in Nordrhein-Westfalen ansässigen Firma Stratoflights zurückgreifen.

Die Wetterballon-AG soll es langfristig am Gymnasium Markneukirchen geben
Ein solches Schulprojekt soll auch im nächsten Schuljahr wieder angeboten werden. “Es müsste eigentlich nur der Ballon erneuert werden und sonst ist der Rest fast funktionsfähig”, teilte Todt mit. Langfristig ist außerdem geplant, dass das Gymnasium Markneukirchen über mehrere Jahre hinweg einmal pro Schuljahr einen Wetterballon in die Stratosphäre schickt, um Daten zu sammeln und zu vergleichen. “Wenn man es eine längere Distanz durchhält, kann man eventuell auch Rückschlüsse auf Verbesserungen oder gegebenenfalls Verschlechterungen bestimmter Parameter schließen”, kommentierte die Schulleiterin Simone Lochmann das Vorhaben. Die gesammelten Daten kommen den naturwissenschaftlichen Fächern zugute. So werden sie beispielsweise im Geografieunterricht herangezogen, denn die Atmosphäre und deren Aufbau sind Teil des Lehrplans der 11. Klasse. Im Physikunterricht soll hingegen die Flugkurve ausgewertet werden.


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