„Wir hatten echt Sorge, dass wir noch eine Besatzung zusammenbekommen“: Wie eine kleine Ortsfeuerwehr im Vogtland um ihre Existenz kämpft

Sebastian Mandok (links) und Franziska Vogel in Aktion beim Feuerlöschsimulator. Foto: Johannes Schmidt

Den folgenden Artikel kannst du ohne Bezahlschranke und nerviger Werbung lesen. Damit es auch in Zukunft möglich ist solche Artikel zu produzieren und zu lesen bedarf es dennoch finanzielle Unterstützung. Am Ende des Artikels erfährst du wie du helfen kannst.

Bei den Kameraden der Ortsfeuerwehr Breitenfeld der Stadt Markneukirchen herrscht derzeit Grund zur Freude. Seit kurzem verstärken Sebastian Mandok und Franziska Vogel die unterbesetzte Mannschaft, die aktuell elf Aktive sowie zehn Alterskameraden zählt.

Wie die zwei neuen zur Ortsfeuerwehr Breitenfeld kamen
Etwas fürs Dorf und die Gesellschaft machen kann, das sei es gewesen, was Franziska Vogel zum Eintritt in die Ortsfeuerwehr Breitenfeld Ende April überzeugte. Sie ist im Ort aufgewachsen und ihr war es auch eine Herzensangelegenheit mitzumachen, “da mein Opa auch bei der Feuerwehr war und es ihn bestimmt sehr stolz gemacht hätte”, so die 43-Jährige, die letztlich durch ihren Mann zu den Brandbekämpfern kam. Seit August ist der gebürtige Markneukirchner Sebastian Mandok dabei. Mandok zog kürzlich aus Dresden zurück in die Heimat und lernte hier das Ehepaar Vogel kennen. „Wir haben viel darüber geredet und dann habe ich mich überzeugen lassen, auch weil ich schon immer gesellschaftlich engagiert war“, erinnert sich der Vater von drei Kindern: „Als Familie ist es zeitlich herausfordernd, das bewerkstelligen zu können, aber es lohnt sich, weil man ein Teil von etwas Schönem ist.“

Kameraden setzen auf eine verbesserte Öffentlichkeitsarbeit
Dass die beiden demnächst den Grundlehrgang absolvieren, darüber ist Gerätewart Uwe Meinel besonders froh, hatte er sich mit seinen Kameraden in den letzten Jahren noch so seine Gedanken über den Fortbestand der Wehr gemacht. „Wir hatten echt Sorge, dass wir noch eine Besatzung zusammen bekommen“, schildert Meinel die Situation. „Wir haben gemerkt, dass unsere Mitgliederzahlen rückläufig sind und wir unbedingt etwas machen müssen“. Ein Weg aus der Krise soll dabei eine stärkere, verbesserte Öffentlichkeitsarbeit sein, die seit diesem Frühjahr anläuft. Mit ihr wollen sie zum einen “Leute für die Feuerwehr gewinnen, denn eigentlich müssten wir eine doppelte Besatzung (d.h. insgesamt zwölf Aktive, Anm. d. Red.) für das Fahrzeug zur Verfügung stellen”, erklärt der 56-Jährige. Zum anderen wollen sie im Ort mehr machen und ihre Wahrnehmung verbessern: „Nicht nur irgendwo hinfahren, unseren Dienst machen, wiederkommen, unser Feuerwehrauto bestücken und dann trinken wir ein Bier, was dann die Bürger sehen – Das wollten wir ändern“.

Diese Veranstaltungen fanden bisher statt
Anfang Mai dieses Jahres luden die Kameraden zum Tag der offenen Tür ein. Im September folgte die zweite Veranstaltung unter dem Motto „Feuerlöschtraining für den Hausgebrauch“. Dafür hatten sie einen Feuerlöschsimulator organisiert, damit die circa 50 Interessenten, zum großen Teil Breitenfelder, auch mal einen Feuerlöscher richtig betätigen und eine Flamme löschen konnten. Ebenso simulierten sie einen Fettbrand. „Die Leute waren sehr interessiert, was uns auch sehr freut und animiert weiter zu machen“, so der Atemschutzgeräteträger. Im November dieses Jahres wollen sie erneut zu sich einladen und den Breitenfeldern die Ersthelfer-App näher bringen. Dann wird auch wieder das Plakat mit den Worten „Wir machen Breitenfeld sicherer“ über dem Feuerwehrgerätehaus hängen.

Nachwuchsarbeit trägt bereits Früchte
„Wir wollten unsere Veranstaltungen unter einen Slogan stellen, um den Leuten zu sagen: Wir geben unser Wissen weiter an euch. Ihr seid dadurch geschulter und dadurch machen wir Breitenfeld sicherer“, erinnert sich Uwe Meinel. „Wir wollen die Bürger von klein auf für die Feuerwehr interessieren“, sagt er und freut sich, dass bereits neben den fünf Jugendfeuerwehrkräften die in Markneukirchen ausgebildet werden, fünf junge Interessenten für einen Schnupperlehrgang gewonnen werden konnten. Das Ziel der Nachwuchsarbeit hat die Ortsfeuerwehr fest im Blick: „Wir wollen, dass der Nachwuchs gefördert und nach ihrer Ausbildung in der Jugendfeuerwehr bei uns integriert wird und uns dadurch auch verstärkt“, so Meinel.


Du hast Themenvorschläge, interessante Geschichten oder Hinweise für meine journalistische Arbeit? Dann melde dich gerne bei mir!

E-Mail: kontakt@johannes-schmidt.org; Signal (verschlüsselter Messenger): @js2.41


Dir gefällt meine Arbeit? Mit einer freiwilligen Spende über PayPal kannst du meine Arbeit unterstützen.