Präwema-Geschäftsführerin: “Wenn keiner den Mut hat, das zu machen, dann mache ich irgendwann zu”

Durch die Fertigung der Präwema führte im Mai Geschäftsführerin Gabriele Federlin. Foto: Johannes Schmidt

Die Führungen durch das Präwema Prägewerk im Rahmen der im Mai stattgefundenen Museumsnacht werden Geschäftsführerin Gabriele Federlin noch lange in Erinnerung bleiben. Statt nur einer Gruppe führte Federlin insgesamt drei Gruppen mit jeweils rund 20 Interessierten durch die Präwema-Fertigung im Bienengarten neben dem Musikinstrumenten-Museum. Sie gab Einblicke in die Produktion und erklärte beispielsweise, wie das Motiv für Orden, Anstecker und Medaillen auf den Stempel graviert wird und wie die Fertigungen schlussendlich ihre Farbe erhalten. Mit großem Interesse verfolgten die Teilnehmer der Gruppen den Ausführungen und schwelgten dabei in Erinnerungen an die 1871 gegründete Präwema. Besonders überrascht war die 74-Jährige darüber, dass sich hauptsächlich Markneukirchner an den Führungen beteiligten. „Dass dort so ein Interesse besteht, hätte ich nie gedacht.“, sagt sie rückblickend.

Das Präwema Prägewerk würde viele Möglichkeiten bieten
Bei den Führungen stellte sich die Geschäftsführerin der Praewema Praegewerk Markneukirchen GmbH den Fragen der Teilnehmer der Führungen. Diese wollten auch wissen, wie es mit der Präwema einmal weitergehen soll. Federlins Antworten fielen trocken, aber ehrlich aus. Sie stellte in Aussicht: „Wenn keiner den Mut hat, das zu machen, dann mache ich irgendwann zu.“ Denn seit Jahren sucht Gabriele Federlin, die seit 2003 allein die Geschicke der Firma lenkt, nach einem Nachfolger.

Sie hofft, einen Liebhaber für die großen Produktionsflächen, die alten Maschinen und das historische Gebäude zu finden, der darüber hinaus Vermarktungsstrategien und Produktideen für die Präwema hat. „Wenn jemand von außen mal kommt und das verinnerlicht, was hier vorstellbar wäre, ich denke, dass es dort unglaublich viele verschiedene Möglichkeiten gäbe“, sagt Federlin auf Nachfrage. Sie selbst kann sich vorstellen, dass die Präwema zu einem Mitmach-Museum umgestaltet wird, das Einblicke in die laufende Produktion bietet. Ungenutzte Räume im Firmenhof könnten zu einer Ausprobierwerkstatt werden, in der die Besucher ihre eigenen Orden fertigen. “Ich habe das mal so aufgeschrieben, dass die Firma im Grunde genommen fast zu verschenken ist. Der Nachfolger muss ja nur Kredite ablösen. Das ist nicht viel.”, meint sie.

Warum sich niemand der Aufgabe stellen will
Gefunden hat sich noch niemand. Warum? „Das, was alle Besucher begeistert, findet ein Investor Mist“, erklärte sie. “Der Punkt ist immer, dass den Leuten die Verantwortung zu groß ist. Und das finde ich sehr bedauerlich. Denn ich bin der Meinung, solche Betriebe, da kann es ja nicht sein, dass die 90-Jährigen die zu erhalten haben.” Ob sie guter Dinge sei, dass jemand sich dieser Verantwortung verschreibt? Die “Hoffnung stirbt zuletzt”, meint sie. Zurzeit beschäftigt sie zehn Angestellte, ist von der Idee bis zur Fertigstellung involviert. Führungen durch die Fertigung will sie in Zukunft weiter machen.

Musikinstrumenten-Museum gab Anstoß zur Museumsnacht
Den Anstoß zu diesen Führungen anlässlich der Museumsnacht gab Kim Grote, der Leiter des Musikinstrumenten-Museums Markneukirchen. Laut Grote soll die Museumsnacht nicht nur das Musikinstrumenten-Museum betreffen, sondern auch andere museale Erlebnisse bieten. Im vergangenen Jahr gab es Führungen durch das Manufakturgebäude der Gebrüder Mönnig. In diesem Jahr griff er auf ein bestehendes Angebot der Präwema-Geschäftsführerin zurück.

Für die Zukunft kann er sich monatliche Führungen durch die Präwema vorstellen, eventuell sogar als Teil der Werbestrategie des Museums. “Jetzt für die Museumsnacht hat es bei uns einen guten Werbeeffekt gehabt. Wir haben auch mehr Tickets verkauft und dadurch, dass die beteiligten Künstler Freitickets haben, hatten wir insgesamt 180 bis 200 Besucher”, so Grote.


Du hast Artikel-Vorschläge oder sonstige Infos? E-Mail: kontakt@johannes-schmidt.org / Signal (Sicherer Messenger): @js2.41